Seite 380 - Der gro

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Der große Kampf
versinnbildeten die Reinheit der Seele, einen durch das versöhnen-
de Blut Christi gereinigten Charakter. Hätte doch das Volk Gottes
noch den gleichen herzerforschenden Geist, den gleichen, ernsten,
entschiedenen Glauben! Hätte es weiterhin sich auf diese Weise vor
dem Herrn gedemütigt und seine Bitten zum Gnadenthron emporge-
sandt, so wäre es jetzt im Besitze weit köstlicherer Erfahrungen. Das
Volk Gottes betet zu wenig, wird zu wenig wirklich überzeugt von
der Sünde, und der Mangel an lebendigem Glauben läßt viele unbe-
rührt von der Gnadengabe, die unser Erlöser so reichlich vorgesehen
hat.
Gott wollte sein Volk prüfen. Seine Hand bedeckte den in der
Berechnung der prophetischen Zeitabschnitte gemachten Fehler.
Die Adventisten entdeckten den Irrtum nicht; er wurde auch nicht
von den Gelehrtesten ihrer Gegner entdeckt. Diese sagten: „Eure
Berechnung der prophetischen Zeitabschnitte (Siehe Anm. 049) ist
richtig. Irgendein großes Ereignis wird stattfinden; aber es ist nicht
die Wiederkunft.“
Die Zeit der Erwartung ging vorüber, und Christus erschien nicht,
um sein Volk zu befreien. Alle, die mit aufrichtigem Glauben und
herzlicher Liebe auf ihren Heiland gewartet hatten, zeigten sich bitter
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enttäuscht. Doch Gottes Absicht wurde erreicht; er prüfte die Herzen
derer, die vorgaben, auf seine Erscheinung zu warten. Es waren unter
ihnen viele, die aus keinem höheren Beweggrund getrieben worden
waren als aus Furcht. Ihr Glaube hatte weder ihre Herzen noch
ihren Lebenswandel beeinflußt. Als das erwartete Ereignis ausblieb,
erklärten diese Menschen, daß sie nicht enttäuscht seien; sie hätten
nie geglaubt, daß Christus kommen werde; und sie gehörten zu den
ersten, die den Schmerz der wahrhaft Gläubigen verspotteten.
Aber Jesus und die himmlischen Scharen sahen mit liebevoller
Teilnahme auf die geprüften und doch enttäuschten Gläubigen herab.
Hätte der Schleier, der die sichtbare Welt von der unsichtbaren trennt,
fortgezogen werden können, so wäre sichtbar geworden, wie Engel
sich jenen standhaften Seelen genähert und sie vor den Pfeilen Satans
beschützt haben.
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