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Kapitel 5: John Wiklif
Vor der Reformation waren zeitweise nur wenige Exemplare der
Bibel vorhanden, aber Gott hatte sein Wort nicht völlig untergehen
lassen. Seine Wahrheiten sollten nicht für immer verborgen blei-
ben. Er konnte ebenso leicht das Wort des Lebens entketten wie
Gefängnistüren öffnen und eiserne Tore entriegeln, um seine Diener
zu befreien. In den verschiedenen Ländern Europas wurden Men-
schen vom Geist Gottes angetrieben, nach der Wahrheit wie nach
verborgenen Schätzen zu suchen. Durch die Vorsehung zur Heiligen
Schrift geführt, erforschten sie diese mit größtem Eifer. Sie waren
willig, das Licht anzunehmen, koste es, was es wolle. Konnten sie
auch nicht alles deutlich wahrnehmen, so wurden sie doch befä-
higt, manche lange Zeit begrabene Wahrheit zu erkennen. Als vom
Himmel gesandte Boten gingen sie hinaus, zerbrachen die Ketten
des Aberglaubens und des Irrtums und forderten Menschen auf, die
lange Sklaven gewesen waren, sich zu erheben und ihre Freiheit zu
behaupten.
Das Wort Gottes war, ausgenommen bei den Waldensern, jahr-
hundertelang durch die Sprachen, die nur den Gelehrten verständlich
waren, versiegelt geblieben; doch die Zeit kam, da es übersetzt und
den Völkern verschiedener Länder in ihrer Muttersprache in die
Hand gegeben werden sollte. Die Welt hatte ihre Mitternachtszeit
überschritten. Die Stunden der Finsternis schwanden dahin, und in
vielen Ländern erschienen Anzeichen der anbrechenden Morgen-
dämmerung.
Im 14.Jahrhundert ging in England der „Morgenstern der Re-
formation“ auf. John Wiklif war der Herold der Erneuerung nicht
allein für England, sondern für die ganze Christenheit. Der mächtige
Protest gegen Rom, den er einleiten durfte, konnte nicht mehr zum
Schweigen gebracht werden, sondern er sollte den Kampf eröffnen,
der zur Befreiung des Einzelnen, zur Befreiung der Gemeinden und
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der Völker führte.
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