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Der große Kampf
che ist kein Heil) eindeutig für die katholische Kirche beansprucht
wird. Der evangelische Konzilsbeobachter Prof. Edmund Schlink
hat in einem stark beachteten Vortrag in Rom am Ende der zweiten
Sitzungsperiode des Konzils diese römische Exklusivität beklagt.
In der Tat wird von katholischer Seite stets nur von christli-
chen Brüdern oder nichtkatholischen Christen gesprochen, nie von
nichtkatholischen Kirchen. Prof. Schlink wies darauf hin, daß die
Sehnsucht nach Einheit als Sehnsucht nach der vom Papst geleiteten
römischen Kirche verstanden wird. „Es ist selbstverständlich, daß
sich die nichtrömische Christenheit durch diese Aussage verkannt
fühlen muß. Denn sie besteht nicht aus einzelnen Christen, sondern
aus Kirchen. Die nichtkatholischen Christen sind der Gnade und des
Heils gewiß als Glieder ihrer Kirche ... Sie sehnen sich nicht danach,
Glieder der römischen Kirche zu werden, sondern als Glieder ihrer
Kirche ersehnen sie die Gemeinschaft ihrer Kirche mit den anderen
Kirchen ... Wenn ihnen aber bestritten wird, daß sie Christi Leib und
Blut in den Abendmahlsfeiern ihrer Kirche empfangen, so sehen sie
darin nicht nur eine Verkennung ihrer selbst, sondern eine Leugnung
Christi, der sich in ihrer Mitte kräftig erweist.“
Will die katholische Kirche Heimkehr oder Partnerschaft? Die
Antwort kann nicht mehr zweifelhaft sein. Die „offenen Arme“, von
denen der Papst sprach — sind sie etwas anderes als eine Fortsetzung
der Gegenreformation mit neuen Mitteln? Es ist nicht zu verkennen,
daß vieles innerhalb der römischen Kirche in Bewegung geraten ist,
und es mag auch für ernste und überzeugte Katholiken ungewiß sein,
wohin es die Kirche treiben wird, aber eines können wir jetzt schon
sagen: Der Ökumenismus Roms ist etwas völlig anderes als die öku-
menische Bewegung. Die katholische Kirche erwartet Unterwerfung
oder Heimkehr in die „sichere Hürde“.
Darüber sollte man nicht im unklaren sein, auch wenn das vom
Konzil verabschiedete „Dekret über den Ökumenismus“ Formulie-
rungen enthält, die für die katholische Kirche tatsächlich in Neuland
weisen. So enthält dieses Dekret u.a. das Eingeständnis, daß die
Schuld für die Kirchenspaltungen des Ostens wie des Westens auf
beiden Seiten liege. Die evangelischen Gemeinschaften werden als
„Kirchen“ apostrophiert, wenn diese Anrede vermutlich auch nur ein
formales Entgegenkommen sein dürfte, um den „Dialog“ nicht von
vornherein schon unmöglich zu machen. Es finden sich Hinweise